PETER CRISS – DAS COMEBACK

Für mich war dieses Interview etwas ganz Besonderes, denn als KISS Fan ist ein Gespräch mit Peter Criss, dem Original Drummer der besten Band der Welt, immer etwas ganz Besonderes. Klar wußte ich, dass Peter ein neues Soloalbum mit dem Titel „One for all“ veröffentlichen würde, doch nachdem Paul Stanley hierzulande fast jedes Interview verweigerte, glaubte ich nicht an ein entsprechendes Intie. Doch plötzlich ging alles ganz schnell…am Montag erfolgte seitens der Plattenfirma die Ankündigung, dass Peter Interviews im Vorfeld der CD geben würde; am Dienstag folgte die Terminfestsetzung und am Donnerstag um 17 Uhr fand das Gespräch schon statt. Die Freude war groß; das Interview wie ich meine sehr ertragreich…

Lets go….rock`n roll

RC: “Leider konnte ich zwar noch keine Note des neuen Albums hören, doch ich hoffe, du kannst uns mit deinen Worten über die Qualität des Albums berichten…

Peter Criss: „Nachdem ich mit KISS das „Melbourne Symphony“ Ding durchgezogen hatte und es ja leider erneut zum Split kam, widmete ich mich wieder meinen Soloprojekten. Zu diesem Zeitpunkt war ich emotional sehr aufgewühlt, nachdem ich erneut bei KISS gedroppt wurde. Das war sehr traurig für mich, zumal dieselben Fehler begangen wurden wie in den Achtziger Jahren. Ich beschloss daraufhin, eine Solo CD aufzunehmen, die einen autobiografischen Charakter aufweist und wollte all die Dinge verarbeiten wie den Split bei KISS, eine Hommage an meinen guten Freund Ace, mein Leben in allen Schattierungen. Aufgrund dieser Stimmungen ist es dieses Mal ein reines Balladen Album geworden – mit unglaublichem Aufwand, einem sehr guten Sound, Orchesterbegleitung, einem weiblichen Gegenpart zu meiner Stimme. Ich bin sehr stolz auf das Album und auf das Songwriting, welches auch sehr unter die Haut geht. Ich bin auch stolz darauf, dass es mir als Schlagzeuger gelungen ist, trotzdem auch Songs schreiben und singen zu können – das gelingt ja sonst nur Genregrößen wie Ringo Starr oder Phil Collins.“

RC: „Welche kommerzielle Erwartungshaltung hast Du an „One for all“, zumal du ja den ganz großen Erfolg mit KISS kennst?“

Peter Criss: „Kommerzieller Erfolg ist mir nicht mehr so wichtig, denn ich habe ein schönes Haus, schöne Autos, meine Gesundheit und eine wunderschöne Frau – das reicht mir absolut. Ich hoffe natürlich, dass die Peter Criss Fans - auch aus alten KISS Zeiten - dieses Album sehr mögen. Das Album habe ich ja auch unter ganz anderen Bedingungen eingespielt als ein KISS Album, welches ja immer sehr teuer produziert wurde. Ich habe in meinem Haus ein sehr professionelles Tonstudio, wo ich – manchmal auch ganz alleine – meine Songs einstudiere, arrangiere und einsinge. Das bedeutet natürlich, dass ich hier dann viel vorab leisten kann, so dass eine CD Produktion nicht mehr so teuer wird. Also ist der kommerzielle Druck ein ganz anderer als z.B. bei KISS. Ich wäre aber – wie gesagt – sehr glücklich, wenn die Peter Criss Fans das Album kaufen und mögen.“

RC: „Wirst Du mit dem Album auch live präsent sein?“

Peter: „Ich weiß es wirklich noch nicht, denn in diesem Punkt bin ich ein wenig nervös und unsicher. Meine Musiker drängen mich ja auch, aber in meinem Alter überlegt man schon, ob man durch eine Tournee zu einem „Witz deiner eigenen Persönlichkeit“ werden könntest. Ich bin nun einmal der Original Drummer einer der größten Bands der Welt, war Teil eines Mega – Band. Diesen Ruf möchte man nicht aufs Spiel setzen. Aber ich werde noch einmal darüber nachdenken.“

RC: „Kommen wir nun einmal zu KISS. Was war dein schönstes Erlebnis in deiner Karriere; was dein schlimmstes?“

Peter: „Als wir das erste Mal im Madison Square Garden in New York spielten und meine Eltern in der ersten Reihe mitfieberten, war schon ein echtes Gänsehauterlebnis. Mehr geht nicht, denn wir wurden seinerzeit abgefeiert wie die Champions!

Mein schlimmstes Erlebnis war an einem 20.12. – meinem Geburtstag! An diesem Tag spielten wir unsere letzte KISS Show; und Ace wurde endgültig rausgeschmissen. Da wusste ich, dass sich das KISS Reunion Ding leider endgültig erledigt hatte.“

RC: „Würdest Du im Nachhinein irgendwelche Sachen in deiner Karriere anders machen, wenn du die Möglichkeit hättest?“

Peter: „Klar hatte ich Anfang der Achtziger ein paar private Probleme, aber ich war nun einmal jung und berühmt – ein echter Superstar! Da habe ich nun einmal „Rock`n Roll party all night long“ zelebriert – mit allen Höhen und Tiefen. Aber ehrlich gesagt: was soll`s ? Ich habe gelebt….Was ich ändern würde? Ich würde die Kontrolle über mein Geld und meine Persönlichkeit nicht mehr von anderen kontrollieren lassen. Jetzt habe ich die 100%ige Kontrolle über alles, was ich mache. Das ist sehr befreiend!

RC: „Was würdest Du sagen, ist der beste Song, den Du je geschrieben hast?“

Peter: „Ich denke, dass „Beth“ nicht nur wegen des großen Erfolges ein echt guter Song war. Vom neuen Album würde ich „Last Night“ nennen; und ein weiterer Song dürfte „Blue Moon over Brooklyn“ sein.“

RC: „Hast Du noch Kontakt zu Paul Stanley und Gene Simmons?“

Peter: „Nein, ich hatte aber auch während der KISS Zeit kaum privaten Kontakt zu den Beiden. Ace Frehley ist ein guter Freund von mir geworden, mit dem ich auch jetzt noch in privaten Kontakt stehe. Ich denke auch, dass Paul Stanley und Gene Simmons kaum noch in privaten Kontakt stehen, zumal die beiden ganz andere geschäftliche Dinge verfolgen.“

RC: „Was sind deine Lieblings KISS Alben, was sind aus Peter Criss Sicht die besten KISS Songs?“

Peter: „Die besten Alben sind Dynasty, Destroyer und natürlich Alive 1. Von den Songs her mag ich „Strutter“, „Black Diamond“, „God of Thunder“ und „Strange Ways“ besonders.“

RC: „Viele KISS Fans vergöttern dich noch immer, obgleich du ja nun nicht mehr dabei bist. Wie denkst du darüber?“

Peter: „Ich freue mich darüber sehr und habe aus diesem Grund – als Hommage an die Fans – den Song „Faces in the Crowd“ geschrieben. Er handelt von meiner Beziehung zu den Fans und beschreibt von meinen Gefühlen, wenn man nach einem tollen Konzert mit diesen vielen Fans plötzlich wieder ganz allein in einem Zimmer sitzt. Ganz ehrlich: die Fans sind die eigentlichen Stars, denn sie haben uns zu dem gemacht, was wir heute sind. Der Song soll auch DANKE sagen!

 

Einen besseren Abschluss konnte Peter Criss wahrlich nicht formulieren. Peter Criss erwies sich in dem Gespräch als sehr intelligenter, emotionaler Sympathieträger; und ich sage auf diesem Wege: Danke schön für dieses Interview!

Jens Reimnitz